Internationalisierung von Domains: So gehts!

Eine im Agenturbereich immer wieder aufkommende Frage seitens der Kunden ist die Frage nach der „richtigen“ Internationalisierung von Webseiten. Auch wenn die Voraussetzungen von Kunde zu Kunde bzw. von Domain zu Domain unterschiedlich sind, gibt es anfänglich meist zwei Ausgangssituationen:

  • Der Kunde hat noch keine internationale Webseite, möchte expandieren und daher in Erfahrung bringen, wie man eine Webseite richtig internationalisiert.
  • Der Kunde hat schon eine in mehreren Sprachen existierende Webseite, deren aktuelle Umsetzung aber auf „Richtigkeit“ zu prüfen ist und in der ggf. Anpassungen vorgenommen werden müssten.

Da dies also ein immer wiederkehrendes Thema ist, möchten wir uns im folgenden Artikel mit den „wichtigsten“ Punkten beim Thema Internationalisierung von Domains auf verständliche Weise beschäftigen. Inhalt dieses Artikels sind die Wahl der Domainform, die Umsetzungsmöglichkeiten und der Einsatz des „hreflang-Tags“ zur Sprachenaussteuerung.

Drei Punkte seien aber an dieser Stelle schon einmal hervorgehoben:

  1. Zu Beginn sollte geklärt werden, ob es sich um eine mehrsprachige (multilinguale) oder internationale Webseite handeln soll. Eine mehrsprachige Webseite ist bspw. eine Unternehmensseite, die ihr Angebot auch in mindestens einer anderen Sprache zur Verfügung stellen möchte, damit entsprechende Kunden/Interessenten den Inhalt der Webseite konsumieren können. Dies bedeutet aber nicht, dass das Unternehmen in dem Land dieser Sprache, in dem diese Sprache gesprochen wird, auch unternehmerisch aktiv ist. Eine internationale (multiregionale) Webseite hingegen richtig sich explizit auch an die Nutzer in anderen Ländern und ist somit nicht auf eine Location begrenzt.
  2. Es gibt – wie so oft im SEO – nicht DIE eine richtige Lösung. Natürlich gibt es einige Dinge, die „immer“ gemacht werden sollten bzw. gelten, aber die Wege dahin können variieren. Oftmals ist es auch davon abhängig, welche Voraussetzungen (technisch und mit Blick auf vorhandene Ressourcen) vorgefunden werden. Die gewählte Umsetzung muss schlussendlich für den Kunden sowohl effizient als auch praktikabel sein.
  3. Hat man die Möglichkeit die Internationalisierung von Anfang an zu begleiten, ist es für eine optimale Festsetzung der Strategie immer sehr hilfreich, von Beginn an zu wissen, welche Länder und Sprachen relevant sind bzw. werden können, damit man ein bestmöglichstes Set-up aufsetzen kann.

Wahl der Domainform/Domainendung

Die erste Entscheidung, die es bei der Internationalisierung von Domains zu treffen gilt, ist die, ob alle Länderversionen auf einer Domain abgebildet werden sollen (bspw. auf einer generische Domain (gTLD) wie „beispiel.com“) oder ob es pro Land eine eigene länderspezifische Domain (ccTLD) sein soll (bspw. beispiel.de). Eventuell kann es Sinn haben, für weniger wichtige Länder oder Regionen eine eigene Domain zu wählen und diese Länder auf einer generischen Domain zu konsolidieren (beispiel.asia.). Außerdem existieren einige Sonderfälle, wo es aufgrund von Beschränkungen in den rechtlichen Lizenzierungen nicht möglich ist, bestimmte Produkte (Poker bspw.) auf bestimmten TLDs zu bearbeiten. Dies wird hier jedoch nicht weiter berücksichtigt.

In Summe existieren hier drei Optionen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Die drei klassischen Möglichkeiten sind (bewusst ohne neue TLDs):

  • Nutzung einer länderspezifische TLD (ccTLD): beispiel.de / beispiel.ch / beispiel.at
  • Nutzung einer generischen TLD mit Verwendung von Subdomains: de.beispiel.com / fr.beispiel.com
  • Nutzung einer generischen TLD mit Verwendung von Verzeichnissen: beispiel.com/de/

Bitte beachten: Bislang geht es hier nur um Länder, nicht um Sprachen.

Länderspezifische ccTLD

Vorteile:

  • Sehr starkes Geo-Targeting
  • Trustsignal für den User, da er eine ihm vertrauenswürdige TLD erkennt
  • Webseiten sind einfach auseinander zu halten

Nachteile:

  • Aufwändigere Domainverwaltung, da für jedes Land / jede Sprache eine separate Domain abgebildet wird.
  • Jede Domain muss einzeln registriert werden und je nach CMS ggf. auch separat betreut werden.
  • Rechtliche Beschränkungen bei Domainregistrierungen: Für einige TLDs ist bspw. die Existenz eines im Inland sitzenden Unternehmens Voraussetzung.


generische gTLD Subdomain

Vorteile:

  • Die Länderversion profitiert noch (eingeschränkt) vom Trust der Domain (sofern intern verlinkt)
  • Einfache Unterteilung von Länder-/Sprachversionen möglich

Nachteile:

  • Ggf. höherer technischer Anspruch ans CMS, da bspw. eine Multisite-Funktionalität existieren muss.
  • Eventuelle Zuordnungsprobleme für den User, ob „de“ für Land oder Sprache steht


generisches gTLD Verzeichnis

Vorteile:

  • Profitiert vollständig vom Trust der Domain
  • Inbound Links kommen immer der gesamten Domain zugute
  • Keine Multisite-Funktionalität notwendig

Nachteile:

  • Ggf. erschwerte Sprachensteuerung bzw. Strukturaufblähung bei mehreren Sprachen pro Land
  • Eventuelle Zuordnungsprobleme für den User, ob „de“ für Land oder Sprache steht


Geografische Ausrichtung einer Domain in der Search Console
Hat man sich für die Nutzung einer generischen TLD entschieden, sollte man abschließend darauf achten, die Länderversion in der Google Search Console bei den Einstellungen für die geografische Ausrichtung zu hinterlegen. Dies sollte aber nur dann vorgenommen werden, wenn sich Ihre Webseite pro Sprache klar auf eine Geo-Location eingrenzen lässt. Bei der geografischen Ausrichtung ist es möglich sowohl Subdomains als auch Verzeichnisse anzugeben. Falls sich die Website an mehrere Länder richtet (eine französischer Version für Kanada, Frankreich und Belgien bspw.), sollte auf die Nutzung des Tools verzichtet werden.

Die Sprachsteuerung

Ist die Entscheidung hinsichtlich der anvisierten Länder getroffen, gilt es als nächstes noch die Frage nach den abzudeckenden Sprachen zu klären. Bei Websites, die ihre Inhalte für unterschiedliche Länder und in unterschiedlichen Sprachen bereitstellen, empfiehlt sich die Nutzung des hreflang-Tags. Einige Sprachen wie Englisch, Spanisch, Französisch oder Portugiesisch werden in unterschiedlichen Ländern gesprochen und manchmal werden auch innerhalb eines Landes mehrere Sprachen gesprochen (Schweiz, Belgien). Je nachdem welches Set-up man hier wählt, muss man dann für spezielle Lösungen sorgen, damit kein Duplicate Content Problem auf der Domain entsteht. Zu diesem Zweck hat Google das „hreflang“-Attribut eingeführt.

hreflang-Tag

Das hreflang-Tag ist ein von Google eingeführtes Attribut, welches der Suchmaschine anzeigt, dass eine Seite auch für eine andere Sprachen existiert. Klassisches Beispiel: Hat man eine Seite auf Deutsch, Englisch und Französisch und ohne Geo-Bezug, so kann man dies Google mit dem hreflang-Tag mitteilen. Der Vorteil hierbei ist, das Google so den Nutzern die URL für die korrekte Sprache (und später Region) bereitstellen kann. Zitat Google:

Falls mehrere Sprachversionen einer URL existieren, müssen bei jeder dieser Seiten alle Sprachversionen identifiziert werden, auch die eigene Sprachversion.

Die HTML-Link-Notation im Header sähe für eine generische Domain mit Sprachversionen auf Subdomain-Ebene wie folgt aus:

Achtung: Dies ist ein Beispiel-Code (diesen und die weiteren Code-Abschnitte bitte nicht verwenden!)

<link rel="alternate" hreflang="de" href="http://de.beispiel.com/" />
<link rel="alternate" hreflang="en" href="http://en.beispiel.com/" />
<link rel="alternate" hreflang="fr" href="http://fr.beispiel.com/" />

Bitte vor allem den letzten Teilsatz des Zitats beachten, denn hier schleicht sich gern ein kleiner Fehler in der Umsetzung ein. Neben der Auszeichnung der anderen Sprachvarianten ist also ebenso die Auszeichnung der eigenen Sprachvariante mit dem hreflang-Tag wichtig. Außerdem sollten Sie immer auf die Definition eines „x-default“ hreflang-Wertes achten.

<link rel="alternate" href="http://beispiel.com/" hreflang="x-default" />

Hat man Zweifel daran, ob die vorgenommene Implementierung an der eigenen Seite richtig ist, lohnt sich ein Blick in die Daten der Search Console bei Google. Bei fehlerhafter Implementierung werden hier entsprechende Fehler angezeigt.

Außerdem existieren auch einige gute kostenlose Generatoren und Validatoren im Internet:

Das hreflang-Tag liefert darüber hinaus aber auch die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Länderversionen einer Sprache zu unterscheiden. Beispiel: Das hreflang-Tag ermöglicht es, Google mitzuteilen, dass es eine Seite sowohl in kanadischem Französisch gibt, als auch in französischem Französisch oder belgischem Französisch. Die Notationen hierfür sähen wie folgt aus:

<link rel="alternate" href="http://beispiel.com/fr-ca" hreflang="fr-ca" />
<link rel="alternate" href="http://beispiel.com/fr-be" hreflang="fr-be" />
<link rel="alternate" href="http://beispiel.com/fr" hreflang="fr" />

Die Notationen hreflang=“fr-ca“ & hreflang=“fr-be“ werden also wie folgt gelesen: „Französisch für Kanada“, „Französisch für Belgien“.

Würde ein User bspw. aus einem französisch sprechenden Teil Kanadas auf die Webseite kommen, würde er diese spezielle Sprachversion angeboten bekommen. Alle französischen User aus einem nicht(!) definierten Sprachbereich würden dann auf die „normale“ französische Sprachversion kommen (hreflang=“fr“). Wird eine Umsetzungsform gewählt, in der auch verschiedene Versionen einer Sprache existieren (wie eben Französisch), so ist es empfehlenswert, dass die Contents sich unterscheiden.

Die Kombination von multiregional und multilingual

Die Frage, die man anfangs klären sollte ist, ob man eine rein sprachgesteuerte Ausrichtung seiner Webseite wünscht, in der es zu jeder Sprache nur eine Version gibt, oder ob man ggf. noch den Geo-Bezug mit hineinbringt und somit eine Mischung aus beidem macht. Eine Mischform wäre also eine französische Sprachversion einer auf die Schweiz ausgerichteten Domain. Dies könnte also bspw. wie folgt aussehen:

Länderspezifische ccTLD für die Schweiz mit einer französischen Subdomain:
fr.beispiel.ch

<link rel="alternate" href="http://fr.beispiel.ch/" hreflang="fr-ch" />

gTLD mit Subdomain für die Schweiz und den Sprachen in Verzeichnissen (hier Französisch):
ch.beispiel.com/fr/

<link rel="alternate" href="http://ch.beispiel.com/fr/" hreflang="fr-ch" />

Wie oben schon angesprochen, ist das zu wählende Szenario abhängig von den Voraussetzungen und Zielsetzungen des Unternehmens. Hat man diese Fragen anfangs geklärt, kann ein für das Unternehmen passendes Set-up kreiert werden.

Drei Möglichkeiten für die Einbindung des hreflang-Attributs:
Wie bekannt ist, gibt es für die Umsetzung des hreflang-Tags drei Möglichkeiten, die der Vollständigkeit halber hier erwähnt seien.

  • HTML-Link-Element im-Bereich:
    So gibt man auf jeder einzelnen Seite die Verlinkung zur länderspezifischen Version an.
    <link rel="alternate" hreflang="de" href="http://de.domain.com/" />
  • Einbindung über HTTP-Header: Dieser Schritt ist notwendig, wenn Dateien vorhanden sind, die nicht im HTML Format sind, wie z.B. PDFs.
  • Einbindung über die XML-Sitemap: Hier hinterlegt man alle verfügbaren Länder-und Sprachversionen einer Website.

So, das soll es an dieser Stelle zu den Themen Internationalisierung von Domains und hreflang-Tag gewesen sein. Wer Fragen dazu hat, kann gern auf uns zukommen oder in den Kommentaren was dazu schreiben. Ansonsten stehen weiter unten sicherlich auch noch die ein oder andere interessante weiterführende Information zu dem Thema. Bye!

Weiterführende Links und Quellen:

Author bio:

Andor Palau verantwortet als Head of SEO bei der Peak Ace AG die Bereiche SEO Consulting und Linkmarketing. Er war vorher u.a. für TopTarif, eines der großen Online-Tarifvergleichsportale für Strom, Gas, Kfz, DSL, Finanzen & Versicherungen tätig und verantwortet dort die Umsetzung der technischen und...

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