Content Curation – Fremde Inhalte richtig nutzen

„Content is King“ – diesen Spruch konnten wir in den vergangenen Jahren zu Genüge hören und er ist schon lange nichts Neues mehr. Die dazugehörige Disziplin Content Marketing erfordert das Publizieren möglichst zielgruppenaffiner Inhalte und nicht nur das Schalten von bestimmten Anzeigen, egal in welchem Medium. Mittlerweile werden wir jedoch täglich von neuen, ziellos gestreuten Inhalten überschwemmt und es fällt immer schwerer, wirklich wichtige Informationen zu finden. Um in diesem Datendschungel den Überblick zu behalten und relevante Inhalte aus dem unendlichen Strom an Nachrichten zu filtern, ist Content Curation die entscheidende Maßnahme. Content is King, but Curation is Queen! Das Zusammentragen und Aufbereiten von Inhalten zu einem bestimmten Thema erfreut sich immer größerer Beliebtheit und unterstützt Unternehmen nicht zuletzt bei der Markenbildung. Kern des Ganzen: Interessant ist nicht nur, was man selbst macht, sondern auch, was andere tun.

Was bedeutet Content Curation?

Der Kurator steht erst einmal vor der schwierigen Aufgabe, hochwertige und relevante Beiträge im Meer der Informationen zu finden. Diese werden dann anschließend selektiert und zielgruppenspezifisch aufgearbeitet und verbreitet.

Content Curation beinhaltet als

  • das Scannen
  • das Auswählen
  • das Aufbereiten
  • das Publizieren

von hochwertigen Inhalten zu einem bestimmten Thema. Die Inhalte stammen dabei allerdings nicht aus eigenen Quellen. Bei diesen Inhalten kann es sich um Infografiken, inspirierende Zitate, Videos, Blogbeiträge, Downloads, E-Books und andere Formate handeln.

Content Curation

Warum ist Content Curation von Bedeutung?

Im Online Marketing geht es nicht mehr nur darum, Tausende von Fans zu generieren, sondern ihnen möglichst interessante und informative Inhalte zu bieten. Für eine langfristige Kundenbindung muss ein Image aufgebaut und auch in der Zukunft gepflegt werden. So ist Content Curation nicht nur ein starkes Tool im Einsatz für Content Kampagnen, sondern auch für SEO, Mobile und Link Building.

Erhöht Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit: Das Kuratieren wertvoller Inhalte erhöht die Sichtbarkeit. Außerdem steigert man seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Lesern, indem man die geteilten Inhalte bewertet und die eigenen Gedanken dabei mit einbringt.

Sichtbarkeit, Positionierung und Markenaufbau: Es gibt immer Tage, an denen man gerade keinen uniquen Content parat hat und trotzdem etwas Wissenswertes, Interessantes oder Informatives an seine User weitergeben möchte. Indem also die Informationsflut genutzt und für die Kunden kanalisiert wird, kann sich die eigene Positionierung als Experte und gleichzeitig auch die Sichtbarkeit im Netz verbessern. Darüber hinaus wird über die vielfältige und zielgruppenspezifische Verbreitung von Inhalten das Markenimage durch Content Curation geschärft.

Dialog: Wie bei allen Publikationen im Netz tritt man auch durch Content Curation ganz automatisch in den Dialog mit seinen Lesern. Durch einen professionellen und zugleich authentischen Dialog mit Kritikern kann man sein Markenimage stärken und Kompetenz beweisen. Das Kuratieren der Inhalte anderer führt auch zu neuen Bekanntschaften und vielleicht sogar zu gewinnbringenden Kooperationen.

Content Marketing: Über welches Thema können wir morgen schreiben? Vielleicht mal wieder etwas Lustiges? Leser und Follower möchten natürlich immer bei Laune gehalten werden und regelmäßig mit neuen, interessanten Inhalten versorgt werden. Wer hat sich da nicht schon einmal verzweifelt gefragt, was man den Lesern als nächstes zur Verfügung stellt? Durch das Kuratieren von Inhalten anderer, können Lücken geschlossen oder einfach unterschiedliche Inhalte auf den verschiedenen Kanälen angeboten werden.

SEO: Durch das letzte Panda 4.0 Update lässt sich vermuten, dass Content Curation aus der SEO-Perspektive nicht optimal ist. Durch die Erhöhung der Qualität der Inhalte auf der Website können hier aber durchaus Erfolge erreicht werden. Darüber hinaus lassen sich durch kontinuierliche Beiträge aus denselben Themenbereichen die Platzierungen in den Suchmaschinen verbessern. Kuratierte Inhalte haben somit dasselbe Ranking Potential wie „fresh Content“.

Erhöht die Inbound-Links: Das Veröffentlichen nützlicher und relevanter Inhalte auf einer regelmäßigen Basis ist immer noch der schnellste Weg, um Links zur eigenen Website zu verdienen.

Marktforschung: Nicht nur die eigenen Inhalte, sondern auch die Inhalte anderer zu verteilen, hilft dabei herauszufinden, für welche Themen sich die Leser interessieren. Und das auf eine unaufdringliche Art und Weise.

Und nun zur Durchführung

Relevant sein!

Das Wichtigste ist, dass die Inhalte auf die Bedürfnisse einer klar definierten Zielgruppe zugeschnitten sind. Es ist auch ebenso wichtig, sich vorher immer zu fragen, wie der jeweilige Inhalt bei der ausgewählten Zielgruppe ankommen wird, bevor er geteilt wird. Beim Filtern der vielen Inhalte in den Tiefen des Internets liegt der Fokus also klar auf die Qualität und Relevanz für Follower und Fans.

Inhalte vorher lesen

Eigentlich ist es selbstverständlich, aber nur allzu oft wird es vernachlässigt: Kuratierte Inhalte sollten vor dem Teilen auch wirklich gelesen werden! Ich gebe zu, dass es manchmal der Zeitplan einfach nicht zulässt, jeden Artikel Wort für Wort zu lesen – wichtig ist aber auch dann, durch Scannen sicherzustellen, dass der Artikel gut genug und relevant für die Zielgruppe ist. Wer Inhalte teilt, denen es an Qualität mangelt, schadet eher seinem Image, als dass er es aufbaut. Der aktive Dialog und Austausch gehört ebenfalls zum Prozess der Content Curation. Wer nur Inhalte teilt, jedoch nie auf Rückfragen und Kommentare reagiert, disqualifiziert sich damit – zumindest als Netzwerk- und Kontaktpartner – selbst. Content Curation sollte daher ein Teil Ihrer Kommunikationsstrategie sein, jedoch niemals für sich alleine stehen.

Ausgewählte Inhalte mit den Unternehmenszeiten abstimmen

Ernsthaft betriebene Content Curation – und nur diese ist sinnvoll – kostet durchaus Zeit und Engagement. Um thematisch passende Beiträge mit ansprechender Qualität zu finden, müssen in der Regel dutzende, vielleicht sogar hunderte Quellen und Artikel gelesen und bewertet werden. Wer also davon ausgeht, dass Content Curation ein einfacher Weg ist, um die eigene Kommunikation mit wenig Aufwand aufzuwerten, täuscht sich.

Wenn dann die richtigen Inhalte gefunden sind, geht es darum, diese für das Netzwerk aufzubereiten und auf die richtige Art und Wiese zu teilen.

Dabei ist darauf zu achten, dass

  • … verschiedene Beiträge zeitlich verteilt gepostet werden.
  • … immer klar ist, welchen Bezug die Inhalte zu den Themen haben, um die es geht.
  • … auch automatisch gepostete Beiträge im Auge behalten werden.
  • … jeder kuratierte Beitrag mit einem eigenen Kommentar versehen ist.
  • … zu Zeiten gepostet wird, die für Fans, Kunden und Netzwerkpartner ideal sind.
  • … alle Beiträge im Vorfeld auch wirklich gelesen und geprüft worden sind.

Inhalte immer plattformspezifisch teilen

Auf allen Kanälen die gleichen Inhalte zu teilen, kann dafür sorgen, dass sich Nutzer von den einzelnen Fanseiten verabschieden. Warum auch sollte sich der Leser ein- und denselben Inhalt auf mehreren Netzwerken ansehen und eventuell sogar noch liken? Das würde keinen Sinn ergeben. Sehr viel sinnvoller ist es stattdessen, sich darüber Gedanken zu machen, welche Inhalte zu welchen Plattformen passen und welche Möglichkeiten diese bieten. Bei Twitter empfiehlt es sich zum Beispiel, einen Nachrichtenartikel zu teilen. Diesen Kanal benutzen viele ganz natürlich als News-Feed, da diese Plattform vom Teilen und Posten lebt. Re-Tweets mit einer Erwähnung des Urhebers bzw. der Quelle sind die Folge – also Content Curation „at it’s best“. Handelt es sich um eine Infografik oder ein Video? Dann eignet sich vielleicht eher ein visuell getriebener Kanal wie Facebook oder Pinterest. Handelt es sich um ein Zitat, das in zugespitzter Form die eigenen Werte oder die Strategie des eigenen Unternehmens verdeutlicht? Dann empfiehlt sich die Verwendung des Zitats in einem Webinar, einem Event oder in einem White Paper. Fachartikel passen eher zu XING oder LinkedIn.

Kuratierte Inhalte mit der eigenen Expertise kombinieren

Auf den “Teilen”- oder “Re-tweeten”-Button zu klicken, ohne einen Kommentar dazu abzugeben, ist einfach und schnell gemacht und viele Marken verhalten sich leider auf genau diese Art und Weise. Die meisten Follower möchten aber wissen, warum nun gerade dieser Inhalt geteilt wurde und was sich dahinter verbirgt.

Führung übernehmen

Content Curation bietet Marken die einzigartige Gelegenheit, die Rolle eines Vordenkers einzunehmen und das eigene Unternehmen sowie die fachspezifische Kompetenz zu präsentieren und dadurch größere Zielgruppen zu erreichen. Um das tun zu können, muss der Kurator in der Lage sein, Trends in der eigenen und relevanten Industrie nicht nur zu erkennen, sondern auch zu bewerten. Der Kurator muss in der Lage sein, wichtige Neuigkeiten zu finden, relevante Influencer zu identifizieren und genau die Themen und Storys zu benennen, die dabei helfen, sich innerhalb ihrer Community Gehör zu verschaffen.

Urheber der Inhalte nennen und Beziehungsnetzwerk ausbauen

Bei kuratierten Inhalten sollte immer eine Quelle angegeben oder eine Verlinkung zur Ursprungswebsite eingefügt werden. Den Content den Verfassern zuzuschreiben ist eine universell anerkannte Best Practice. Wird der rechtmäßige Autor nicht angegeben, denken die eigenen Follower womöglich, dass versucht wird, fremde Inhalte als eigenen Content zu verkaufen. Content Curation soll eine Möglichkeit sein, professionelle Tools verfügbar zu machen und gute Ideen weiter zu verbreiten. Es sollte jedoch niemals den Autor der originalen Inhalte verärgern.

Durch das Nennen und Verlinken der Urheber kann sogar das Beziehungsnetzwerk ausgebaut werden. Die Produzenten und Autoren der Originalinhalte werden eventuell auf den kuratierten Inhalt aufmerksam und hinterlassen Kommentare oder verlinken zurück. Diese Gelegenheit kann genutzt werden, um Dialoge zu starten und Partnerschaften zu erweitern. Die Erstellung von Inhalten und Content Curation sind nur ein Teil des größeren Ziels, den Markenbekanntheitsgrad und das Engagement im sozialen Web zu steigern und eine Content-Strategie auszubauen.

Die richtigen Tools verwenden

Natürlich ist es nicht möglich, all das zu lesen, was im Internet jeden Tag veröffentlicht wird und für die eigene Marke von Relevanz ist. Zum Glück gibt es verschiedene Content Discovery-Tools und -Communitys, welche die Effizienz beim Beobachten und Kuratieren steigern können. Drei meiner Lieblingstools sind Scoop.it, Storify und Paper.li.

Storify ist der bekannteste unter den Kuratierungs- bzw. Storytellingdiensten. Nicht nur Privatpersonen und Blogger arbeiten damit, sondern auch Onlinejournalisten. Viele nutzen die Anwendung, um in Form der Echtzeit-Berichterstattung über spannende Ereignisse zu informieren. Nutzer erstellen eine Geschichte, indem sie im Web-Editor einen Titel samt Vorspann festlegen. Anschließend lassen sich über die Stichwortsuche passende Web-Inhalte (Tweets, News, Facebook-Nachrichten, Videos u. v. m.) finden und per Drag-and-Drop-Funktion in das Bearbeitungsfenster ziehen. Der Kurator hat die Möglichkeit, zwischen den einzelnen Elementen eigene Kommentare, Überleitungen und Erklärungen zu schreiben. Die Geschichten lassen sich dann über soziale Netzwerke teilen oder auf Webseiten einbetten. Mit Storify lassen sich auch geobasierte Geschichten erstellen, da man nach Inhalten von bestimmten Orten suchen kann.

Scoop.it ist ein Content-Discovery Tool, welches ermöglicht, Ströme von Inhalten aus Orten wie Twitter und Google auf der Grundlage der Ziel-Keywords automatisch zu filtern und anzuzeigen. Der Kuratierungsdienst ist gut geeignet, um sich langfristig mit einem Thema zu beschäftigen und regelmäßig Inhalte hinzuzufügen. Indem man Interessensgebieten folgt, wird man über passende Inhalte informiert, die sich einfügen und bearbeiten lassen. Die Darstellung der gesammelten Fundstücke geschieht – anders als bei Storify – in Magazin-Optik. Eine Besonderheit ist die Funktion, jeden einzelnen Beitragsschnipsel mit Schlagworten zu versehen, um die Beiträge besser auffindbar zu machen. Nach dem Erstellen eines Accounts kann man ein Thema festlegen und den Dienst mit Stichworten speisen, auf deren Grundlage passende Inhalte (Blogs, RSS-Feeds, Videos etc.) angezeigt werden, die sich in den Editor ziehen lassen. Neben der kostenlosen Version gibt es Pro-Versionen für „Experten“, die unter anderem Analyse-Werkzeuge und Branding-Möglichkeiten bieten.

Das Schweizer Start-up Paper.li wird oft als „Twitter-Zeitung“ bezeichnet, da diese individuelle Online-Zeitung vorwiegend auf der Grundlage von Twitter-Accounts erstellt wird. Man kann aber auch Facebook- und Google+-Profile, RSS-Feeds und Youtube-Videos mit einbeziehen. Um eine Zeitung zu erstellen, wählt der Kurator Titel, Beschreibung und die Erscheinungsfrequenz des Magazins aus. Über Stichworte, Hashtags und Namen sucht der Dienst nach passenden Inhalten und erstellt daraus eine Online-Zeitung, in der die Inhalte in Rubriken sortiert auftauchen. Dabei zieht sich Paper.li zu jedem Inhalt ein passendes Bild oder Foto. Die Zeitung wird je nach Wunsch täglich oder wöchentlich aktualisiert und kann auch von anderen abonniert werden. Bei der kostenpflichtigen Pro-Version gibt es mehrere Zusatzfunktionen wie zum Beispiel das Bewerten per Newsletter. Ein Nachteil ist, dass Paper.li die Anmeldung per Facebook oder Twitter einfordert.

Mittlerweile ist es aufgrund der Masse an Tools gar nicht mehr so einfach, das Richtige zu finden und sich einen eigenen Workflow für das Kuratieren zu erarbeiten. Mit ein bisschen Rumprobieren und Testen findet man aber sehr schnell heraus, welche Methoden und Tools die richtigen für die jeweiligen Funktionen sind und welche sich leicht in den Arbeitsalltag einfügen lassen.

Ist Content Curation nun der heilige Gral des Content Marketings?

Content Curation besitzt das Potenzial, aus Marken und Unternehmen Influencer im Web zu machen und das Markenimage zu stärken.

Man kann seinen Followern, Kunden und Fans zeigen, was gerade relevant und angesagt ist und somit auch, dass man am „Zahn der Zeit“ arbeitet. Auch wenn die Meinungen im Netz über Content Curation weit auseinander gehen, steht für mich fest, dass diese Methode großes Potential besitzt, um ein Markenimage zu schärfen und verschiedenste Themen mit all ihren Facetten zu durchleuchten und darzustellen. Die Community will nicht mehr einseitig betrachtete Inhalte, sondern viel mehr sehen, womit sich ein Unternehmen außerhalb der eigenen Produkte beschäftigt. Content Curation kann schlussendlich in vielen Online Marketing Feldern eingesetzt und dazu genutzt werden, schon bestehende Themen nochmals aufzugreifen und mit eigenen Gedanken und Ideen zu untermauern und zu gestalten. Kuratierte Inhalte lassen eure Leser gemeinsam mit euch über den Tellerrand blicken.

Author bio:

Dominique arbeitet als Content Marketing und Online PR Assistentin bei Peak Ace. Das Studium in Wirtschaftskommunikation hat schnell ihr Interesse für Online Marketing und die Entwicklung kreativer Strategien geweckt. Sie arbeitet unter dem Ziel: Kreative, durchdachte und informationsgetriebene Kampagnen und Inhalte für die Zielgruppe entwickeln...

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